Wir laden herzlich zum RIDGES-Workshop Ende Oktober ein! Mehr Details auf der neuen Workshopseite.

TextPloring-Workshop "Use Case RIDGES: Texte, Daten und Perspektiven zu Kräutern"


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Übersicht

Unter dem Motto “Texte, Daten und Perspektiven zu Kräutern” laden wir herzlich zum TextPloring-Workshop “Use Case RIDGES” nach Berlin ein:

Info

Kräuterbücher überliefern botanische Ordnungssysteme und pharmazeutische Rezepturen, sind in sammlungshistorische Ordnungen eingebunden und lassen sich zugleich als sprachliche und kulturelle Artefakte lesen. Ausgehend vom RIDGES-Korpus, das historische Kräutertexte vom 15. bis zum 20. Jahrhundert enthält, als Use Case des Projekts TextPloring führt dieser Workshop Perspektiven aus Linguistik, Pharmazie- und Wissenschaftsgeschichte, Sammlungsforschung sowie den Digital Humanities zusammen. Von Digitalisierungstraditionen historischer Bestände (Andreas Christoph) über die pharmaziegeschichtliche Spurensuche zu Artemisia (Bettina Wahrig) bis zu Variation und Wandel in Kräutertexten der frühen Neuzeit (Ann-Marie Moser) spannen die Keynotes einen weiten thematischen Bogen. Ergänzend geben Kurzvorträge Einblicke in laufende Arbeiten von der Überführung historischer Bibliotheken in digitale Ressourcen über die nutzungsorientierte Weiterentwicklung von Repositorien bis zu korpuslinguistischen Fallstudien. In praxisorientierten Hands-On-Sessions wird zudem in das Forschungsdatenrepositorium LAUDATIO und in ANNIS als Such- und Visualisierungstool für linguistische Korpora eingeführt. Anhand unterschiedlicher Zugänge zu historischen Kräutertexten zeigt der Workshop, wie sich diese erschließen, analysieren und in ihren jeweiligen Kontexten verstehen lassen.

Hier die wichtigsten Infos im Überlick (das Programm in Kurzfassung gibt es auch auf dem Workshop-Plakat):


Tag 1: 29. Oktober 2026

UhrzeitProgrammpunkt
09:30 - 10:00 UhrBegrüßung & Einführung Tag 1
10:00 - 11:15 Uhr

Keynote

Andreas Christoph: Blatt für Blatt, Seite um Seite, Objekt für Objekt. Digitalisierungstraditionen am Herbarium Haussknecht
AbstraktDas Herbarium Haussknecht in Jena ist eine der großen botanischen Sammlungen Deutschlands, hervorgegangen aus der Privatbibliothek und Sammlung des Botanikers Carl Haussknecht. Zum Herbarium gehört eine historische Bibliothek, die weit mehr umfasst als Bücher. Zeitschriften, Nachlässe, ein handschriftlicher Katalog und mehrere Schichten von Signaturen stehen mit den Pflanzenbelegen in einem Wissenszusammenhang. Für jede dieser Materialarten hat sich eine eigene Digitalisierungstradition entwickelt – eine bibliothekarische, eine archivische, eine museale. Jede bringt mit, was als Einheit gilt und wann sie hinreichend beschrieben ist. Im Projekt BOTANICA treffen sie an einem Bestand aufeinander. Der Vortrag zeigt, wo das gelingt und wo nicht, und fragt, was daraus für alle folgt, die mit historischen Beständen arbeiten.
11:15 - 11:45 UhrKaffeepause
11:45 - 13:15 UhrHands-On-Session “LAUDATIO” (Leo Born, Isabell Trilling)
14:30 - 14:45 UhrAuftakt Nachmittag Tag 1
14:45 - 16:00 Uhr

Keynote

Bettina Wahrig: Artemisia – Santonin: Wermut pharmaziegeschichtlich ausbuchstabieren
AbstraktDie Gattung Artemisia umfasst 250–500 Arten. Neben dem würzigen Beifuß (Artemisia vulgaris) und dem bitteren Wermut (Artemisia absinthium) ist hierzulande auch die duftende Eberraute (Artemisia abrotanum) bekannt. Seit der Antike dienten Artemisia-Arten (englisch „Wormwood“ = Wermut) als Wurmmittel und zur Abwehr von Mäusen sowie Insekten. Ihre Bitterstoffe sollten dem Magen guttun und giftwidrig wirken; Beifuß wurde rituell und medizinisch rund um die Geburt eingesetzt. Als Magenbitter und Schnaps erlangte Absinth den zweifelhaften Ruf eines Halbweltgebräus. Tu You-you isolierte 1971 das Malariamittel Artemisinin aus Artemisia annua. Das Thema “Artemisia” führt von den Namensgeberinnen (war es die Göttin oder eine kriegsführende und heilkundige Kaiserin?) über Extraktions- und Arzneiformen hin zu einem reich verzweigten sprachlich-pharmazeutischen Wurzelwerk aus Riten, Erfahrungen, Konsumgewohnheiten und Wissenselementen. Schwerpunkt des Vortrags sind pharmazeutische Texte und Objekte zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert.</details
16:00 - 16:30 UhrKaffeepause
16:30 - 18:00 Uhr

Kurzvorträge

Kathrin Polenz: Werkstattbericht: Von historischen Ordnungen zur digitalen Sammlung – Das Projekt BOTANICA
AbstraktDer Werkstattbericht gibt Einblick in das Projekt BOTANICA, eine Kooperation zwischen der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) und dem Senckenberg Institut für Pflanzenvielfalt (SIP) Jena. Anhand der historischen Bibliothek und der botanischen Sammlung des Herbarium Haussknecht am SIP Jena werden unterschiedliche Formen von Wissensordnung betrachtet. Die Aufstellung der Bände nach Autoren, verschiedene über die Jahre vergebenen Signaturen und ein historischer Bibliothekskatalog verweisen auf die gewachsene Ordnung einer Gelehrtenbibliothek am Ende des 19. Jahrhunderts, während veränderte Namen und Zuordnungen auf Pflanzenbelegen den Wandel botanischer Systematiken sichtbar machen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich diese unterschiedlichen historischen Ordnungen bei ihrer Überführung in eine digitale Sammlung verändern und wie sich die Transformation vom historischen Buch und Herbarbeleg zum digitalen Datensatz nachvollziehbar machen lässt.

Rolf Guescini & Carolin Odebrecht: LAUDATIO zwischen Struktur und Nutzung: User Stories und UX als Brücke zu Abstrakten Funktionsebenen

Martin Klotz: Flexibly compiling models for historical corpora?

Toska Brandl, Jürg Fleischer, Lena Haden & Anke Lüdeling: Welche Frau, welch Garten, welcher Schreiber! Welch+N-Relativsätze in RIDGES und RegiL
AbstraktWir untersuchen die Funktionen und Registerverteilungen von welch+Nomen-Relativsätzen in den Korpora RIDGES (Uyanιk et al 2025) und RegiL (Fleischer et al. 2025). Welch+N-Relativsätze wie in (1)
  • (1) Welliche frawen kinder tragent die ſollent eppich ſammen meiden (RIDGES: aus Gart der Gesundheit, 1487)
sind neben Relativsätzen mit der/die/das und anderen Formen insbesondere im 16. Jahrhundert belegt. Dabei decken sie alle Funktionen ab, die andere Relativsätze auch haben, sie können also eingeleitet, frei und weiterführend sein. Wir untersuchen solche Relativsätze im diachronen Kräuterkorpus RIDGES und im synchronen Korpus mit Texten von Martin Luther RegiL.  Die Funktionen der Relativsätze sind registerspezifisch verteilt - je nach den funktionalen Parametern, die ein bestimmtes Register definieren. So sind etwa die freien Relativsätze, die die Anwendungsdomäne benennen, im Kräuterkorpus RIDGES häufiger, da so die Anwendung eines Krautes eingeschränkt werden kann (wie in (1)). Weiterführende Relativsätze sind in den diskursiven Texten in RegiL häufiger. Neben den linguistischen Fragen werden auch methodische Themen angesprochen.
Fleischer, Jürg; Haden, Lena; Klotz, Martin; Nie, Ercong; Schmid, Helmut; Schnelle, Gohar; Slawski, Lilian; Zeige, Lars Erik  (2025) Korpus zur Erforschung von Registerphänomenen bei Martin Luther (RegiL) (0.1). https://zenodo.org/records/14702151.
Uyanιk, Esra, Sven Oliver Müller, Anke Lüdeling, Thomas Krause (2025) Differenzierung und Standardisierung. Zur Entwicklung von Registern. In: Grzegorz Pawłowski, Małgorzata Guławska, Paweł Bąk (Hrsg.) Historische Fach- und Wissenschaftstexte kontrastiv. De Gruyter, Berlin, 193-214. 10.1515/9783111328867-010.
19:00 UhrGemeinsames Abendessen

Tag 2: 30. Oktober 2026

UhrzeitProgrammpunkt
09:30 - 10:00 UhrEinleitung
10:00 - 11:15 Uhr

Keynote

Ann-Marie Moser: Zu Variation und Wandel in (Kräuter)Texten der frühen Neuzeit
AbstraktIn meinem Vortrag werde ich den Bogen spannen von verschiedenen Textsorten der frühen Neuzeit hin zu einer bestimmten Textsorte, den „Kräutertexten“. Wir schauen uns zunächst an, wie sich grammatische Variation und Wandel in verschiedenen Texten der frühen Neuzeit manifestiert (Beispiel Relativsätze) und welche sprachinternen und sprachexternen Faktoren Sprachwandel beeinflussen (könnten). Dabei sollen auch verschiedene Möglichkeiten der Textsortenklassifizierung diskutiert werden. Im zweiten Teil des Vortrags zoomen wir in „eine“ Textsorte hinein, und dies am Beispiel von wissenschaftlichen Texten bzw. Kräutertexten (RIDGES-Korpus). Anhand von voraussichtlich zwei kleineren Fallstudien versuche ich, Näheres über die Entwicklung bzw. Ausdifferenzierung der deutschen Wissenschaftssprache zu erfahren.
11:15 - 11:45 UhrKaffeepause
11:45 - 13:15 UhrHands-On-Session “ANNIS” (Thomas Krause, Paula Rebecca Schreiber)
13:15 - 14:30 UhrMittagspause
14:30 - 16:00 UhrAbschlussdiskussion

Projektteam und Organisation

Anke Lüdeling, Paula Rebecca Schreiber, Leo Born, Isabell Trilling, Toska Brandl, Goran Torlo, Maik Bierwirth, Malte Dreyer, Rolf Guescini, Torsten Hiltmann, Thomas Krause, Tsimafei Luzan, Carolin Odebrecht, Esra Uyanık